Auf körperlicher Ebene reagieren vor allem das Nervensystem, das Herz-Kreislauf-System, der Stoffwechsel – und auch unser Immunsystem.
Durch die intensive, rhythmische Atmung wird mehr Kohlendioxid abgeatmet. Dadurch verschiebt sich das Säure-Basen-Gleichgewicht kurzfristig: Der pH-Wert im Blut steigt leicht an – das Milieu wird basischer, also weniger sauer.
Diese Veränderung ist vorübergehend, hat jedoch deutlich spürbare Effekte.
Ein interessanter physiologischer Zusammenhang: In einem basischeren Milieu reagieren bestimmte Schmerzrezeptoren weniger empfindlich. Viele Menschen erleben während der Atemübungen daher eine erhöhte Schmerztoleranz. Der Körper fühlt sich robuster, weiter oder belastbarer an.
Gleichzeitig wird durch die intensive Atmung der Sympathikus aktiviert – also der Teil des autonomen Nervensystems, der für Aktivierung und Leistungsbereitschaft zuständig ist. Dieser bewusst gesetzte, kontrollierte „Stressreiz“ führt unter anderem zur Ausschüttung von Adrenalin.
Genau dieser Mechanismus wurde wissenschaftlich untersucht: In einer Studie der Radboud University Medical Center (Kox et al., 2014) konnten Probanden durch Atemtechnik, Kälteexposition und mentale Fokussierung ihr autonomes Nervensystem willentlich beeinflussen. Nach Verabreichung von bakteriellen Endotoxinen zeigten sie eine signifikant geringere Ausschüttung entzündungsfördernder Zytokine im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Das bedeutet: Die Methode kann nachweislich Entzündungsmarker reduzieren und die Immunantwort modulieren.
Weitere Untersuchungen derselben Forschungsgruppe deuten darauf hin, dass durch das Training eine verbesserte Stressregulation und eine veränderte Immunreaktion möglich sind. Das Immunsystem wird nicht „hochgefahren“, sondern in seiner Anpassungsfähigkeit unterstützt.
Wenn man sich vor Augen hält, wie viele Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente täglich eingenommen werden, wird deutlich, welches Potenzial in der bewussten Aktivierung körpereigener Regulationsmechanismen liegt. Natürlich ersetzt die Methode keine medizinische Behandlung – sie zeigt jedoch eindrucksvoll, wie stark Atem und Nervensystem miteinander verbunden sind.
Ein zentraler Aspekt bleibt die bewusste Konfrontation mit inneren Reaktionen. Anstatt Stress, Unruhe oder körperliche Intensität zu vermeiden, lernst Du, sie wahrzunehmen und zu regulieren.
So entsteht langfristig mehr Resilienz, Selbstregulation und Vertrauen in die eigene physiologische Kompetenz.